Ortsbild und Baupolitik mit einem Beitrag zu Fischis Sorgen um seine Existenz, Nachträge 2017, März und April 2018

Jürgen Schmidt, Hohwacht, Erste Fassung  Juli 2016, Kürzung und Überarbeitung   Oktober 2017 und März, sowie April 2018

Wer durch Hohwacht geht, wird zum Ortsbild gemischte Gefühle entwickeln. Nette Einfamilienhäuser an der Promenade, ärmlich wirkende Vor- und Nachkriegsbauten  anderenorts, organisch gewachsene Straßen mit großen Gärten, vereinzelt reetgedeckte Schmuckstücke, kaum Reetdachkitsch und neuerdings – noch vereinzelt, aber um so auffälliger –  dicht gedrängte Reihenhäuser mit einigen Grashalmen vor der Terrasse.

Zwischen zwei Schießplätzen gelegen, blieb der Massenzustrom in Hohwacht aus und damit auch die ungünstige Entwicklung, die so mancher Badeort an der Ostsee genommen hat. Neuerdings hört man jedoch immer weniger Kanonendonner von der Bundeswehr, dafür immer mehr lautstarken Bürgerprotest gegen die Baupolitik der Gemeindevertretung.

Dergleichen fand in Hohwacht bis zur letzten Kommunalwahl allenfalls „unter der Bettdecke“ statt, denn eine mächtige Wählergemeinschaft hatte es sich auf die Fahne geschrieben, Neubauten zu begrenzen, sensible Bereiche zu schützen und das Ortsbild zu bewahren.

Dann kam die Niedrigzinsphase, Befürchtungen steigender Inflation, der Gedanke, ins Betongold zu flüchten, die Renaissance der Ostseebäder durch die Rückkehr der Türkeiurlauber an die Ostsee.

Mit einem Mehrheitswechsel und  mit einem Bürgermeister, der bereit war, Investitionen baupolitisch  zu fördern, die sich als Maximalausnutzung vorhandener Grundstücke erwiesen, begann es, daß  sich Neubauten nicht mehr in das Ortsbild einfügten  Die in einer ruhigen Straße mit Einfamilienhäusern und großen Gärten entstandenen 24 Wohneinheiten auf einem ehemaligen Einfamilienhausgrundstück haben das Straßenbild massiv verändert und das Verkehrsaufkommen dort nahezu verdoppelt.

Man kann durchaus einwenden, dass es in Hohwacht Sanierungs- und Renovierungsversäumnisse gibt, so dass Urlauber sich  teilweise einem  unbefriedigende Angebot  gegenüber sehen und Investoren angelockt werden. Dieser Befund führt zu Kurzschlüssen, weil  übersehen wird , dass die aktuelle baupolitisch favorisierte Maximalbebauung das Ortsbild und damit auch die gewachsene Attraktivität zerstört, die Urlauber mit Beschaulichkeit, Unaufgeregtheit, Entschleunigung beschreiben und damit auch meinen, dass sie den unprätentiösen Charakter des Ortes  schätzen. Dieser wäre nur zu bewahren, wenn ein organisches Wachstum baupolitisch gegen im Straßenbild monströs wirkende Maximalbauten gerichtet würde. Eben dies wäre nur durch eine radikale Abkehr von der gegenwärtigen Baupolitik möglich, d.h.  Geschossflächenzahl und  Firsthöhe runter setzen, Baufenster begrenzen, mithin Bebauungspläne, die Gästesilos verhindern und zu Sanierung und begrenzten Aus- oder Anbau bestehender Einheiten führen. Hilfreich wäre eine Tätigkeit des Bauausschusses, die sich nicht auf das kleinste Karo stürzt und Abweichung der Dachneigung von 3 % abstraft, sondern sich mit ästhetischen Kriterien und Proportionskunde kleiner Häuser beschäftigt. 

Stattdessen wirkt ein Mechanismus, der aus anderen Ferienorten hinlänglich bekannt ist.  Die Kleinanbieter, die gewohnt sind, ihre Investitionen mit Eigenkapital zu bestreiten ( und von den Kreditinstituten auch nicht geschätzt werden ) , leiden seit vielen Jahren unter einem  Verfall der Rentabiltät und geben auf – nicht zuletzt angesichts günstiger Mieten in Neubauten – . Dem steht der Run auf vermeintliches Betongold in Form einer Wohnung an der Küste gegenüber, der vom „Markt“ und der Baupolitik gefördert wird, letztlich aber die Spekulation der Käuufer nicht erfüllt. Wie professionelle Vermietungsbüros berichten, sehen die Vermieter am Jahresende ganz erstaunt, dass sie ihre Finanzierung nicht durch Mieteinnahmen verdienen konnten.

Weil komplette Sanierungen Im Bestand im Übrigen oft noch teurer sind, als Neubauten entsteht ein Verdrängungs- und in der Folge ein Verteilungswettbewerb. Die Fälle, in denen potentielle Bauherren von Ein- oder Zweifamillienhäusern dem konkurrierenden Angebot von Bauträgern nicht standgehalten haben , die eine Maximalausnutzung der Grundstücke anstreben, sind vielfach Ortsgespräch. 

Das Ergebnis liegt vor aller Augen!

Ruhe, Beschaulichkeit, kleinteiliges Ortsbild, Hohwacht als Unikat an der Ostsee, das war einmal!

Natürlich hätte man diese Entwicklung durch eine Veränderungssperre und einen Bebauungsplan verhindern können, wenn man denn gewollt hätte.

Weil selbst die geringste Korrekturbereitschaft der Gemeinde  –  angeblich aus Geldmangel – ausblieb, bildete sich im Bereich Waldstraße/Reiherstieg, wo der erste Bau einer Selenter Baufirma entstand, eine heftige Opposition, die ihren Unmut über Flugblätter, einen Blog und schließlich eine Klage gegen die Baugenehmigung in aller Deutlichkeit  vortrug. Zu einem Zeitpunkt, als die Fronten  zwischen den Befürwortern einer „den Tourismus fördernden Bebauung“ und jenen, die eine Zerstörung des Ortsbildes abwehren wollten, noch keineswegs  verfestigt waren, trugen ein polemischer Blog und ein ebensolches Flugblatt zu einer Polarisierung der Meinungsbildung bei. Unglücklicherweise wurde anstelle der Baupolitik,  die auf Maximalausnutzung gerichtet war eine Firma ins Visier genommen, die auf der vorhandenen Basis nicht nur den auslösenden, sondern  weitere Bauaufträge ausführte, die buchstäblich wie die Faust auf das Auge des Betrachters wirkten.

Der ehemalige Blog der Bürgerinitiative schlug den Sack und meinte den Esel. Die Auseinandersetzung wurde mit zwei sich fundamental unterscheidenden Argumentationslinien betrieben, die eine, insbesondere von meiner Seite,  setzte mehr auf Argumente, die andere auf wiederholte Sticheleien. Der Zusammenhalt in der Widerstandsgruppe war ohnehin gering.

Den Gipfel der Empörung erreichte die Baupolitik mit den entschlossenen, gleichwohl mehr als zweideutigen  Schritten der Gemeinde, die Küstenbebauung am Dünenweg mit einem B-Plan in Gang zu setzen und das touristische Angebot durch ein Gesundheitszentrum zu ergänzen. Diese Vorgänge sind in dem Beitrag „B-Plan Nr 20, Dünenweg, gültig oder nichtig“ auch in den rechtlichen Details, sowie der sich anschließenden Korrespondenz ausführlich geschildert. (siehe auch „Quo vadis Hohwacht?“ „Gesundheitszentrum“ und „Blockheizkraftwerk“ In diesem Blog ). Zu einer offenen und substantiellen Auseinandersetzung über die Bebauung ließ sich die Gemeinde jedoch nicht zwingen. Sie hätte gegen die Fakten wohl auch nichts vorzubringen.

Hört man sich die Meinungen der Hohwachter zu den Absichten der Baupolitik an, so scheint der Glaube an eine Belebung des Tourismus, besonders  der Nachsaison noch weitverbreitet zu sein, eben auch  durch die geplante Bebauung der Küste am Dünenweg mit 40 Appartements . Dabei wird übersehen, dass  es sich bei der beklagten Verkürzung der Aufenthalte und nur geringer Verlängerung der Saison um ein landesweites Problem handelt, dass sich den verschiedensten Maßnahmen als nicht zugänglich erwiesen hat. Kurmittelhäuser und Meerwasserwellenbäder wurden in ganz Schleswig-Holstein geschlossen oder werden zur Last der Gemeinden.

Ein einfacher Blick genügt: Vor den Hohwachter Neubauten stehen in Vor- und Nachsaison ebenso wenig Fahrzeuge, wie vor den übrigen Quartieren.

Eine wesentliche Frage stellen sich die Hohwachter nur hinter vorgehaltener Hand: Wer profitiert eigentlich  ? Bauherren und Käufer aus Hohwacht sind jedenfalls nicht im Spiel, auch keine Handwerker!

Auch das erhoffte Zusammenspiel zwischen Meerblickappartement und „Gesundheitszentrum“ – zum Nutzen des Küsteninvestors –  scheint nach aller Erfahrung, die anderenorts gemacht worden ist, weitgehend unbegründet ( siehe das wirklich schöne, inzwischen geschlossenen und abgerissene  Meerwasserwellenbad Aqua Top mit weiteren Wellnesseinrichtungen  in  Travemünde unmittelbar neben neben dem Hotel Maritim ).

Auf die ätzende Salzlösung, die man aus der Tiefe pumpen will und die sich allenfalls in mehrfacher – unnatürlicher – Verdünnung  für ein schmales Spektrum medizinischer Anwendungen eignet, darf man nun wirklich keine Erwartungen setzen.

Auch die Erwartung des kleinen Hotels, an das sich die Appartementhäuser anschließen sollen, könnte enttäuscht werden. Eine Golfmannschaft die sich dort einquartiert hatte, erschien zum Abendessen ganz unstandesgemäß an zwei aufeinander folgenden Tagen bei Fischi und hatte eine Menge unkonventionellen Spaß.

Zurück zum Ernst der Lage :  Zum beginnenden Skandal werden  die Grundstücksangelegenheiten  durch die Preise, zu denen die Gemeinde ihre Grundstücke nach dem Motto „Trinkgelder für Tafelsilber“ verscherbelt hat. Besonders eindeutig erscheint die Bewertung des an den Investor verkauften Kurparks ( 5000 m²) für €10.-/m². Diese unmittelbar vor einem Hotel gelegene Fläche ist mit zahlreichen Strandkörben, in denen serviert wird und einem bewirtschafteten Zelt, sowie häufigen Barbeques völlig unterbewertet verkauft worden.

Ist der Weg nun frei für die Umgestaltung des Ortes von einem der letzten unprätentiösen Ostseebäder in Schleswig-Holstein zu einer synthetischen Feriendestination ?  

Der Kreis Plön könnte sich den Vorwurf der Nichtigkeit des B-Plans und der Kaufverträge mit einer Beanstandung oder Aufhebung zu Eigen machen und manch weitere kommunalpolitische Ungereimtheit bereinigen. Anscheinend aber sträubt sich die Kreisverwaltung, die wohl auch seit 2010 in die Angelegenheit intensiv verwickelt ist und glaubt zudem, die Position der vermeintlichen Unschuld durchhalten zu können. Die Unterlagen der kommunalaufsichtlichen Tätigkeit wurden angefordert und sind entsprechend  dem Öffentlichkeitsgebot des Informationszugangsgesetzes auch ausgeliefert worden. Allerdings handelt es sich im Umfang  nur um einige Vermerke und Formalia. Eine eigehende rechtliche Prüfung der Nichtigkeitsargumente ist an keiner Stelle erkennbar, so dass ich mit einem zweiten Schreiben vom 23.10.17 meine rechtsanwaltlich bestätigten Ansichten verdeutlicht hatte. Inzwischen ist eine ziemlich freche Antwort ohne weiteres Eingehen auf die rechtliche Argumentation eingegangen,

Der nächste Schritt ist die Beschwerde bei der Kommunalaufsicht des Landes. Sollte der lange Arm interessierter Kreise bis in das Innenministerium reichen, bleiben im wesentlichen noch 2 Wege, die Normenkontrollklage und der Versuch, die Angelegenheit politisch an die große Glocke zu hängen.

Anfang Mai sind Kommunalwahlen. Man muss befürchten, dass ein eindeutiges gegen die desaströse Baupolitik gerichtetes Wahlergebnis,  nur noch begrenzte Wirkung entfalten wird, weil alle Baugenehmigungen erteilt sein werden , die eine kommerzielle Ausbeutung des Ortes zu Lasten seines Ortsbildes voran treiben.

Die Uhr läuft für diesen kleinen ehemaligen Fischerort an der Ostsee und sein Bewohner !

 

Anhang:  Fischis Sorgen um seine Existenz

 

Um Ausgleichflächen für mehr als 25 % der Besucherparkplätze zu gewinnen, die für das Bauvorhaben Dünenweg wegfallen, sollte auch ein seit vielen Jahren bestens eingeführter und frequentierter Fischimbiss das ihm gekündigte Pachtland am Rande des See-Parkplatzes räumen. Zugleich wurde der dem Inhaber gehörende angrenzende Minigolfplatz  im Flächennutzungsplan und dann auch im B-Plan ohne Anhörung zur Parkplatzfläche umgewidmet.

Auf Fischis Dilemma und die  fragwürdige Praktiken der Gemeinde  haben wir bereits  wegen des Beispielcharakters für die Gemeindepolitik im Leitartikel „Quo Vadis Hohwacht?“ hingewiesen. Dazu wurde sein Imbiss in der Begründung zu einem ersten B-Plan, der sein Grundstück plötzlich als Parkfläche auswies (!!),  mit einer unangemessenen Abschätzigkeit als „ortsbildstörend“ diskreditiert,  für ein sachlich zu haltendes offizielles Papier mehr als ungewöhnlich.

Zunächst  war dem  Fischimbiss das viele Jahre genutzte Pachtland am Rande des Großparkplatzes gekündigt und der Wunsch. einige Meter weiter auf Eigenland zu ziehen, schnöde verweigert worden. Schließlich und unter dem Druck von 3500 Unterschriften seiner Gäste hatte man ihm ein Baufenster von 100 m² inkl. Außensitzplätzen zugestanden. 240 m² hätten es sein müssen , um im bisherigen Umfang fortfahren und den Betrieb am Leben halten zu können und nach anwaltlicher Intervention wurden diese tatsächlich auch im B-Plan vorgesehen. Bei den Hohwachtern, die zur Unterschriftensammlung beigetragen hatten, ging der Riss mitunter quer durch die Familien. Die Eltern eines Gemeindvertreters, der für die Abschaffung des „ortsbildstörenden“ Objektes gestimmt hatte. stimmten für den Verbleib.

Nun  steht der Imbiss seit Oktober 2016 still. Das  Personal fand keine adäquate Beschäftigung  und  mittelfristig wird Fischi auch Konkurrenz erwachsen. Auf der letzten Sitzung des Tourismusausschusses im November 2016 war von der Einrichtung einer „Grünen Küche“ im unweit geplanten „Gesundheitszentrum“ die Rede. Dort werde man gesunde Ernährung propagieren und auch über die Rohstoffe aufklären. Dazu gehöre auch Fisch, so der CDU Fraktionsvorsitzende Lilienthal unter Zustimmung des Vorsitzenden der Freien Wählergemeinschaft, dem Fischer und Räucherfischhändler Kruse. Ein Schelm, der Böses dabei denkt..

Wie aber kam es überhaupt dazu, dass aus Fischis  Minigolfplatz, also einem  touristisch gewerblichen Grundstück durch eine Änderung des Flächenutzungsplans ein Parkplatz wurde. Nun ganz einfach: Durch Beschluss der GV vom 08.12.2014 zum derzeit gültigen FNP  von 2015 sollte eine „Neuordnung der Flächen des ruhenden Verkehrs“ eingeleitet werden.  Man hört die Nachtigall geradezu trampeln. Enteignungsgleich wurde aus dem Minigolfplatz eine Parkplatzfläche und zwar wie der BM mündlich auf einer späteren GV-Sitzung mitteilte, ausdrücklich als Kompensation zu jener Parkplatzfläche, die zugunsten des Dünenweg-Investors  von der bestehenden Parkplatzfläche des großen Seeparkplatzes abgetrennt und verkauft  worden war, um dem Küstenabstand wegen Natur- und Hochwasserschutz Rechnung zu tragen.

Der  mit 11 Stimmen angenommenen Beschluss der Gemeindevertretung  lautet: Die frühzeitige Unterrichtung der Öffentlichkeit mit der Erörterung über die allgemeinen Ziele und Zwecke der Planung nach § 3 Abs. 1 BauGB soll durch zweiwöchige Auslegung des Planentwurfes in der Amtsverwaltung erfolgen.

Nun ja, im BauGB steht etwas von der öffentlichen Auslegung von Bauleitplänen über einen Monat.

Ob der Beschluss der Gemeindevertretung durch das Protokoll  wenigstens so rechtzeitig bekannt gemacht wurde, dass der Grundbesitzer hätte reagieren können, muss nun die Kreisverwaltung klären, der schließlich die Genehmigung dieser Änderung des Flächennutzungsplans oblag.

Nun scheint es derzeit möglich, dass der unter massivem Druck für Fischis Imbiss geänderte B-Plan für sein eigenes Grundstück auch umgesetzt werden könnte. Jedenfalls wurde ein Bauantrag schon einmal eingereicht-. Hoffen wir das Beste!

Der Mensch denkt und der Bürgermeister lenkt – – und versagt dem Bauantrag die Zustimmung, weil die Dachneigung etwas geringer ist als 45 Grad und die Stellplätze nicht an der Stelle eingezeichnet sind, die der B-Plan vorschreibt. Zweifel seien auch an einer Vollmacht angebracht, mit der Fischis Tochter ihren Vater ermächtigt, den Bauantrag zu unterschreiben. Auch der Minigolfplatz, der seit über 50 Jahren besteht, soll wohl verschwinden, weil Fischi bei der letzten Auflage des B-Plans vergessen hat, Einspruch einzulegen.

Die Hoffnungen schwinden, den Imbiss Weihnachten wieder zu eröffnen. Derweil haben zwei seiner seit einem Jahr arbeitslosen Mitarbeiterinnen anderweitig Arbeit gefunden. Doch Fischi und seine Tochter Petra Weber geben nicht auf.

11 Gedanken zu „Ortsbild und Baupolitik mit einem Beitrag zu Fischis Sorgen um seine Existenz, Nachträge 2017, März und April 2018

  1. Sie haben vermutlich recht Herr Schmidt: das Geschäftsmodell von Anders, Trautmann und Konsorten sieht gar keine Einwohner vor. Das wirklich Beängstigende an diesem Gedankengang ist die Vorstellung, dass manch ein Mitglied der GV diese Strategie bereits verstanden und sogar verinnerlicht hat. Man muss nur nach Sylt oder Garmisch schauen, um zu sehen wie dieses perfide Spiel für die eigentlichen Bewohner des Ortes endet.

  2. Der halbseitige Beitrag in der gestrigen KN spricht Bände über die eigentlichen Kräfte, die in der Ortspolitik Hohwachts herrschen. Die Grundsteinlegung am Dünenweg wird groß gefeiert, und das Bauvorhaben von der hohen Landespolitik als “das Richtige für Hohwacht” gelobt. Mitglieder der Hohwachter Gemeindevertretung sucht man im Bild aber vergebens. War der Bürgermeister etwa nicht zur Feier eingeladen? Oder möchte er sich nicht öffentlich zu den Früchten seines Mitwirkens bekennen?

    Dass der alte Anders sogar hier – bei der Besiegelung seiner Übermacht – die Gelegenheit nicht auslässt, die Gegner des Projektes zu beschimpfen, sagt viel aus über seine persönliche Einstellung zu Hohwacht und den Einwohnern des Ortes.

    Machen wir uns nichts vor – Hohwacht ist zum Spielball des Geldadels und seiner politischen Handlanger verkommen. Wie die Einwohner, haben die ahnungslosen Ortspolitiker offensichtlich gar nichts zu bestimmen.

    • Sehr geehrter Herr Richter,

      vielen Dank für Ihren eindeutigen Kommentar

      auch diese Angelegenheit ist sehr viel schlimmer, als sie dem unbefangenen Betrachter erscheint.

      Der Fraktionsvorsitzende der GRÜNEN hatte nämlich angekündigt, der Einladung der Fa. Anders zu Grünkohl und Grundsteinlegung zu folgen.
      Er ist zwar auf Widerstand seiner Kollegen gestoßen, hat jedoch versucht, seine Teilnahme mit der Absicht zu rechtfertigen , dem Minister die Haltung der Hohwachter Bevölkerung zu diesem Projekt klar zu machen.
      Ob es sich dabei um eine Schutzbehauptung handelt, er einfach den Symbolwert der Teilnahme verkennt, oder ignoriert, dass der Minister keinen Einfluss auf gemeindliche, grundgesetzlich privilegierte Grundstücksplanungen nehmen kann, will ich nicht weiter erörtern.

      Es gibt in der Hohwachter Gemeindevertretung immer mal wieder Wortmeldungen der GRÜNEN, die sich gegen diese oder jene Angelegenhiet richten, die von den Aöltparteien geplant sind. Eine oppositionelle Strategie gibt es nicht. Selbst wenn man den Grünen Möglichkeiten auf dem Silbertablett präsentiert, wie die mittelerweile drei Eingaben an die Kommunalaufsicht, denen sich die GRÜNEN mit guten Erfolgsaussichten im Sinne eines kommunalen Verfassungsstreites (Organklage) anschließen könnten und die Kosten einer Feststellungsklage vor dem Verwaltungsgericht nicht von der Partei sondern von der Gemeinde zu tragen wären, machen die GRÜNEN davon keinen Gebrauch.
      Die GRÜNEN beklagen, dass Absprachen hinter verswchlossenen Türen getroffen werden, unternehmen aber nichts, um dem Gebot der Öffentlichkeit Geltung zu verschaffen.

  3. Die GV lässt sich weiterhin durch die Arena treiben. Sie gestaltet den Ort nicht nur nach den Wünschen von ortsfremden Investoren und befangenen Gutachtern, sie gibt die (viel zu niedrigen) Erlöse vom Grundstücksverkauf vollständig für das “verschönern” des Parkplatzes neben den neuen Hochhäusern aus. In den nächsten zwei Jahren sind Ausgaben i.H.v. unglaublichen 1,5 millionen Euro allein für den Parkplatz geplant. Die Einwohner Hohwachts werden nach wie vor verhöhnt und warten nur noch auf die erste Erhöhung der Gebühren um die Löcher in den Gemeindefinanzen zu stopfen.

    • vielen Dank für Ihre kommentierende Unterstützung, Herr Richter.

      Allerdings ist die Sache noch etwas schlimmer.
      Das Geld für die Grundstücksverkäufe ist für die Kosten des Abrisses des alten Schwimmbades drauf gegangen und der Rest wird für den Gemeindeanteil des Straßenbaus verbraucht werden müssen.
      Die Gemeinde versäumt es, für steigende Einnahmen zu sorgen.
      Aus der durch die Baunutzungsverordnung die Kaufverträge und Baugenehmigung gebotenen kommerziellen Vermietung der kommt lediglich der Erlös der Tourismus- und Strandabgabe, sowie Grundsteuer hinzu, Gewerbesteuer wird in der Regel am Wohn bzw Firmenort entrichtet und spielt im Hohwachter Haushalt keine nennenswerte Rolle. Zweitwohnungssteuer fällt dabei nicht an.

      Eventuelle Einnahmen fließen ggfls den wenigen Kleinunternehmern und Geschäften zu, soweit sich die Gästefrequenzen wirklich dauerhaft erhöhen und nicht weiterhin durch Aufgabe von einheimischen Kleinvermietern stagnieren oder zurück gehen.

      Doch der Haushalt und Schudenhaushalt können sich eigentlich nur durch Zweitwohnungsteuer, Grundsteuer und anteilige Einkommennsteuer erholen, sofern Ansiedlungen erfolgen und der Ort dafür attraktiv bleibt.
      In diesem Dilemma treffen m.E zwei Lager aufeinander, die beschriebene Gewerbetreibenden und der Rest der Einwohnerschaft. Leider erweist sich die im Mai neu gewählte Opposition nicht als kompetent genug, diese von mir schon vor zwei Jahren aufgeworfene Problematik öffentlichkeitswirksam und in der GV umzusetzen.

  4. Vielen Dank, Herr Schmidt, für Ihren unermüdlichen Einsatz für die Vernunft und gegen den Größenwahn.

    2018 wird zweifelsfrei ein touristisches Rekordjahr sein, was sicher in den verschiedenen Ausschüssen als Rechtfertigung für die weitere Umgestaltung des Ortes gepriesen wird. Schade nur, dass der wetterbedingte Aufschwung der noch größer angelegten Zerstörung unseres Planeten zu verdanken ist, und nicht im Geringsten der Weitsicht „unserer“ selbstverliebten örtlichen Lenker und Denker.

    Jetzt, da die mutwillige Zerstörung in Alt- und Neu-Hohwacht endgültig in die vollen Gänge gekommen ist, werden die Möchtegern-Granden des Ortes Ihr blaues Wunder erleben wenn die Stamm- und Tagesgäste 2019 die Baustellen erblicken, die Haare raufen und Hohwacht erschrocken den Rücken kehren.

    Ich kann Sie nur zitieren, Herr Schmidt:

    Gute Nacht Hohwacht

  5. Das Domus-Werbeschild am Ortseingang ist seit Neuestem in Wahlwerbung für die WGH umgewandelt. Ein Schelm, wer an Flächen-Sharing denkt!

  6. Kaum hat der nette Investor Anders die Fläche kaufen können, schon sieht man die Veränderung.
    Das Osterfeuer will er nicht mehr auf dem Parkplatz haben und muss nach Althohwacjt weichen.
    Die Dünenfläche hat er bis auf die Geröllschicht abziehen lassen. Nun kann niemand mehr darauf laufen. Erinnert mich an unseren Hund. Der markiert auch „sein Revier“ ähnlich!

    • Es handelt sich um die Auflage, den Strandwall, seine Fauna und Flora zu erhalten und zu diesem Zweck abzutragen und um ein bis zwei Kilometer zum Tivoli zu verlagern ( Siehe Kieler Nachrichten vom 05.03.18) Vielleicht findet der Investor ja auch noch eine Methode, den durch seine geplanten Gebäude verbauten Blick an eine andere Stelle zu verlagern.
      Zur Zeit ist aber nur eine Bauvoranfrage gestellt und die Problematik des Hochwaserschutzes scheint noch ungelöst, ebenso wie die Reaktion der Kommunalaufsicht des Landes zu den Vorgängen um Kaufverträge und Bebauungsplan.Siehe unsere Ausführungen zu diesen Themen in diesem Blog.
      Noch ist Hohwacht nicht verloren !

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